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Lerntipps

10 Experten-Lerntipps für schnelleres Lernen

Ob Fremdsprachen oder Excel-Formeln – Lernen begleitet Berufstätige nahezu ihr ganzes Arbeitsleben. Schließlich leben wir in einer Wissensgesellschaft. Doch Lernen kostet nicht selten Überwindung. Vorausgesetzt, man weiß, wie es richtig geht. Zehn Tipps, die Lernen einfacher machen.

 

1. Visualisieren

Tabellarische Aufschriebe eignen sich wenig, um sich Fakten zu merken. Besser sind bildhafte Aufzeichnungen wie eine Mind Map oder der eigene Spickzettel. Ist dieser erstellt, wird er gleich danach schon nicht mehr benötigt, denn das Aufschreiben hat im Gehirn eine Spur hinterlassen. Forscher haben herausgefunden, dass die Quote von dem, was man im Kopf behält, gestaffelt ist: Wir behalten durch Lesen 10, durch Hören 20, durch Sehen 30, durch Hören und Sehen 50, durch eigenständiges Erklären 70 und durch eigenes Tun 90 Prozent des Lernstoffs. Schließlich hilft es, die Skripte an einem Ort der Entspannung in der eigenen Wohnung aufzuhängen.

2. Inneren Film drehen

Trockene Fakten bleiben besser im Gedächtnis, wenn sie als Episode möglichst mit persönlichem Bezug erfasst werden statt als blanke Stichworte ohne Zusammenhang. Wenn eine Assoziation mit eigenen Bildern nicht klappt, können Eselsbrücken helfen, etwa durch den Rückgriff auf Geschichten und Praxiserfahrungen Anderer.

3. Sauberer Schreibtisch

Nur das, was aktuell gelernt wird, sollte vor einem liegen. Ansonsten sollte der Schreibtisch leer sein, denn mit jedem Foto, Magazin oder Schriftstück, das neben einem auf dem Tisch liegt, wächst der Ablenkungsgrad. Jeder kennt das: Sobald eine Aufgabe vor einem liegt, fallen einem Dinge ein, die unbedingt noch erledigt werden sollten. Doch Multitasking ist auch hier ein schlechter Berater. Lernen und Wäschebügeln gleichzeitig geht nicht. Nur beim Wiederholen, etwa über ein Hörbuch, ist es möglich, etwas nebenher zu tun.

4. Ein Thema pro Tag

Gehirnforscher haben herausgefunden, dass der menschliche Arbeitsspeicher gering ist. Deshalb kann sich fast niemand ohne spezielles Gedächtnistraining mehr als zehn Begriffe merken. Für Lerner heißt das: an einem Tag nur mit einem Fach beschäftigen und nicht ständig Thema oder Schwerpunkt wechseln! Wer abends Vokabeln paukt, sollte sich anschließend nicht noch mit volkswirtschaftlichen Marktmodellen beschäftigen.

5. Kleine Portionen packen

Eine gute halbe Stunde pro Tag etwas zu wiederholen reicht, um einen sichtbaren Lernerfolg zu erzielen. Mit mäßigem, aber regelmäßigem Wiederholen wird der Lernberg schrittweise erklommen, anstatt kurz vor einer Prüfung nächtelang durchzupauken – meist ohne befriedigendes Ergebnis. Hintergrund ist die Vergessenskurve des deutschen Psychologen Hermann Ebbinghaus, wonach das erlernte Wissen ohne Wiederholung auf 20 Prozent zusammenschrumpft, bis es irgendwann fast komplett vergessen wird.

6. Lesen ist nicht lernen

Wer nur seine Notizen oder im Buch liest, lernt nicht, denn die Aufmerksamkeitsspanne ist gering. Wissen ins Gedächtnis eingraben heißt, mit dem Stoff zu arbeiten. Aufgaben oder Projekte dazu zu erledigen oder Dritten darüber zu berichten. Ein solches Vorgehen leistet den Wissenstransfer ins Gehirn und wird dort als „verstanden“ abgelegt. Tipp: Wer nur liest, sollte zumindest laut lesen, damit die Behaltensquote von 10 auf wenigstens 30 Prozent steigt.

7. Richtigen Kanal finden

Es gibt verschiedene Lerntypen, etwa den auditiven, visuellen oder den kinästhetischen. Je nach persönlicher Ausprägung sollten Lernmaterialien also zum Hören, Ansehen oder zum Erfahren, im Sinne von erleben, ausgestaltet sein. Die heutige Verteilung stellt sich wie folgt dar: 82 Prozent der Menschen sind visuell veranlagt, 11 Prozent müssen Dinge hören, um sie zu behalten, 4 Prozent riechen, 2 Prozent fühlen und 1 Prozent sogar schmecken.

8. Planung statt Chaos

Wer erfolgreich lernen will, muss diesen Erfolg planen. Angefangen beim Sammeln der Materialien, über einen Zeitplan, wann etwas gelernt wird, bis hin zur Prüfung. Hintergrund: Strukturen geben Sicherheit. Im Idealfall sollten Lerner rückwärts planen. Das Ziel, etwa eine Prüfung, bildet den Ausgangspunkt. Von hier aus sollten thematische Lernpakete hin zum aktuellen Datum verteilt werden. In den Plan gehören darüber hinaus Zeiten für Wiederholungen und das Lösen von Prüfungsaufgaben.

9. Lernort und -zeit festlegen

Egal ob Zuhause oder am Arbeitsplatz – wer lernen will, sollte einen festen Ort dafür festlegen. Idealerweise kombiniert mit einer festen, regelmäßigen Lernzeit. Hinter diesem Vorgehen steckt die Absicht, den inneren Schweinehund zu überlisten. Wer es schafft, das Lernen in seinen Tagesablauf als Regelmäßigkeit wie etwa das Zähneputzen einzupflegen, ist auf dem richtigen Weg.

Tipp: Um Zeit zu gewinnen, kann die Lieblingssendung im Fernsehen ohne Werbezeiten aufgezeichnet und später angesehen werden. Das bringt einen Zeitgewinn von bis zu 20 Minuten pro Sendung. Insgesamt gesehen kostet eine Ritualisierung den Lerner weniger Kraft als der tägliche Kampf mit inneren Widerständen.

10. Lerngruppen bilden

Eine Lerngruppe ist der Königsweg, denn hier greifen die oben genannten Tipps. Der Mensch ist ein soziales Wesen, der Austausch über Erfahrungen motiviert und stärkt den Willen. Von daher hilft es, kontinuierlich in einer Gruppe zu lernen, weil sich die Teilnehmer unterstützen können und obendrein die soziale Kontrolle greift, ähnlich wie bei Lauftreffs. Allerdings sollte die Obergrenze bei maximal fünf Lernern liegen, ansonsten geht das Individuum unter. Ein Lerntreff gelingt besser, wenn zuvor jedes Mal das Lernziel definiert wurde und die Teilnehmer ihre Fragen mitbringen.

Über den Autor

Walter Trummer beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit Lernmethoden. Bevor er die Weiterbildungsakademie carriere & more gründete, war er als Ausbildungsleiter in Handelsunternehmen tätig. In seinen Akademien bereiten sich Erwachsene nebenberuflich in erstaunlich kurzer Zeit auf IHK-Prüfungen vor.

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